Achillea - Rundbrief Nr. 5 von August 2005

Nachdem die Sonne schon wieder auf ihrer absteigenden Bahn ist, fängt der Garten erst richtig an zu blühen. Das Rundbeet in der Mitte des Gartens ist außer Rand und Band geraten. Der Beifuss dominiert das ganze Areal - fast drei Meter hoch (lt. Pflanzenführer 1 - 1,5 m) demonstriert er oder besser "sie", dass sie wirklich die Mutter aller Pflanzen ist, wie sie in alten Zeiten genannt wurde. Die Minzen blühen, die Indianernessel, mit ihren helllila Blüten leuchten schon von weitem, zwischen den filigranen zartgelben Blütendolden des Fenchel hat sich der Purpurkopf des Sonnenhuts einen Platz an der Sonne gesichert. Stockrosen wetteifern um die schönsten Rottöne, und der Alant, ein weiterer Riese im Garten, beugt sich unter der süßen Last von immer neuen, sonnengelben Blütenköpfen. 

Die Engelwurz dagegen hält Schritt mit der Sonne, auch sie ist auf ihrem Rückzug. Das Laub ist schon braun gefärbt, statt Blüten hängen mächtige Dolden mit großen aber leichten Samen an den stattlichen Stängeln. Ihr Lebenswerk ist fast vollendet. Zeit, einen neuen Zyklus zu beginnen. 

Am Rande des Kartoffelbeets ist ein kleines Wunder geschehen: Nach großen Startschwierigkeiten haben es Kapuzinerkresse, Malven und Sonnenblumen nun doch noch geschafft: sie sind nicht die größten und die schnellsten, aber sie blühen! Ich freue mich über sie wie über einen verlorenen Sohn! 

Der Garten hat seine eigene Art, sich das zu holen, was er braucht. Vor einigen Tagen gab es abends eine Veranstaltung, die auch in der BZ angekündigt war. Da kam eine Frau aus St. Georgen mit einem großen Topf in der Hand an. Sie wollte gar nicht zur Veranstaltung, sie hatte uns eine Pflanze gebracht - einen wunderschönen Mönchspfeffer mit kräftigen, dunkelgrünen Blättern! Und genau einen Mönchspfeffer hatte ich mir für den Garten gewünscht! 

Auf wundersame Weise haben sich auch verschiedene Töpfe und Kräuter unter dem Apfelbaum am Eingang eingefunden: Salbei, Basilikum, Muskateller Salbei und Melisse. Herzlichen Dank an die unbekannte Spenderin! 

In diesem Sommer habe ich die Schutthalden entdeckt: sie sind eine wahre Fundgrube von Wildpflanzen und Heilkräuter. Sie wachsen dort oftmals so unverschämt üppig, so viele verschiedene Arten! Manchmal nehme ich ein Schäufelchen mit und entführe eines dieser Geschöpfe in unseren Garten, auf dass auch dort die Vielfalt steigt und immer weitere Bewohner ihren Platz dort finden. 

Manche Menschen, die in den Garten kommen hinterlassen sichtbare Spuren: die bunten Bänder, die von Ästen und Stängel flattern, sind Ausdruck der Wünsche, die eine Gruppe von Frauen aus der Freiburger Heilpflanzenschule dem Wind übergeben hat. Der Wind hat einen längeren Atem als wir - hoffen wir, dass mit seiner Hilfe diese Wünsche Gestalt annehmen! 

Eine andere sichtbare Spur ist ein kleines Wildrosenstöckchen, das seinen Platz am Rande des Versammlungsplatzes gefunden hat. Wieder war es eine Gruppe von Frauen, jede hatte eine Handvoll Erde mitgebracht, gemeinsam wurde es gepflanzt, gedüngt und gegossen und mit vielen guten Wünschen auf den Weg gebracht - Frauenarbeit eben. 

Es gibt auch unsichtbare Spuren - die kleine Melodie einer Flöte, leicht und luftig wie der Wind. Einen Augenblick noch da, im nächsten schon aufgelöst im lichten Grün des Gartens. 

Es sind diese kleinen Begebenheiten, diese kleinen Gesten, die den Garten nähren und ihn innerlich und äußerlich wachsen lassen.


Ich wünsche Euch / Ihnen einen reichen Sommer voller Kraft und Wärme 

Marga Baldas Posavac

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