Achillea - Rundbrief Nr. 3 von Juni 2005

Regen, Licht und Sonne haben den Garten in ein grünes Paradies verwandelt: Überall sprießt es, überall drängt sich das Grün in die Höhe. Der Garten ist immer noch zum großen Teil in der Hand der wilden Pflanzen: Brennesseln, wie ein starkes Heer aus Wachsoldaten wachsen links und rechts des Rundwegs, sie sind schon über einen Meter hoch, ein richtiges brennendes Dickicht. Da traut sich außer den Schnecken keiner durch! Zur Straße hin, vor der Eschenhecke hat sich der Baldrian einen schattigen Platz gesucht. Im letzten Jahr waren da nur 1 - 2 Pflanzen zu entdecken, jetzt haben sie sich in Scharen eingefunden.  (Vielleicht ahnen sie, dass wir im Herbst einen Kurs mit ihnen planen.) Dagegen hat sich die Wilde Karde ganz rar gemacht. Zum Glück haben wir im hohen Gras noch einige Exemplare entdeckt und freigelegt, so dass sie jetzt genügend Licht und Raum haben, um sich nach Herzenslust auszudehnen. Selbstverständlich hat auch die Quecke mit ihren unermüdlichen, starken Ausläufern weiteres Terrain erobert - da haben wir als Gärtner keine Chance, wir sind eindeutig in der Unterzahl! Dass die Quecke auch eine große Heilpflanze ist, ist leider zumeist nicht bekannt. (Wer mehr darüber wissen will, kann zu unserem Workshop am 13.09. kommen).  

Doch an einigen Ecken sind auch Einwanderer zu finden, die wir angesiedelt haben: Majestätisch und stolz strecken sich die Engelwurz zum Himmel, daneben komme ich mir richtig klein vor. Wenn ich den Stängel umfasse, dann spüre ich ihre enorme Kraft, das ist kein niedliches Engelchen sondern ein mächtiger Erzengel. (botanisch: angelica archangelica). 

In all der Wildnis ist es fast eine Überraschung in der Mitte des Gartens ein richtiges Beet zu entdecken, eine halbwegs geordnete Oase - kreisrund und eingerahmt von einem kleinen Wall mit Stockrosen und Alant. Im Vorjahr hatten wir hier Kartoffeln angebaut. Dadurch war der Boden weitgehend frei von Wildkräutern und gelockert, so dass es überhaupt erst möglich war, ein Beet anzulegen. Neben den klassischen Küchenkräutern wie Estragon, Majoran, Rosmarin und Thymian haben wir hier den Minzen einen Platz reserviert: Katzenminze, Pfefferminze, Apfelminze, Krauseminze und Ananasminze. Ich habe schon von einer Schokoladenminze gehört, sie soll nach Schokolade schmecken. Vielleicht können wir sie eines Tages auch hier bewundern. Der Gundermann, auch eine Minze, hat selbst den Weg zu seiner Familie gefunden.

In diesem Beet mussten alle Pflanzen, die wir hatten, ihren Platz finden. Es ist neben dem "Vorgarten" (vor dem Bauwagen) unser einzigstes Beet. Also ist es auch ein bunt zusammen gewürfelter Haufen, dominiert von stattlichem Herzgespann und Beifuß. Und wir haben Glück: die Pflanzen wachsen und gedeihen hier, der Boden an dieser Stelle ist zwar schwer zu bearbeiten, aber ganz gut. 

Weniger Glück haben wir am Rande unseres neuen Kartoffelbeets. Ich hatte es mir so schön vorgestellt - eine Farbkomposition aus gelborangen Kapuzinerkressen und blauvioletten Malven, dazwischen einige Sonnenblumen, als vertikale Komponente, die mindestens drei Meter hoch in den Himmel wachsen. Erst hatten wir in mühsamer, schweißtreibender Arbeit die Grassoden entfernt und den Boden versucht zu lockern, ein schwieriges Unterfangen bei diesem schweren Lehmboden. Dann wurde gepflanzt - es sah so viel versprechend aus! Doch jetzt - 3 bis 4 Wochen später - sind die kleinen Kapuzinerkressen und die Malven keinen Deut größer als beim Auspflanzen, sondern ganz mickrig - ein Bild des Jammers und des Mangels. In der verdichteten, lehmigen Erde finden Sie keine Nährstoffe. Wahrscheinlich legt sich der schwere Lehm  wie ein Korsett um die feinen, zarten Würzelchen, so dass ihnen die Luft zum Atmen fehlt. 

Die Sonnenblumen sind etwas stabiler, sie sehen nicht ganz so schlimm aus. Genauer gesagt sie sahen nicht ganz so schlimm aus, denn jetzt sind sie weg, einfach so, ohne eine Spur zu hinterlassen, weg! Die Stäbe, an denen sie festgebunden waren stehen noch, keine verräterische Schneckenschleimspur in der Umgebung, nur ein kleines rundes Loch da, wo vormals die Sonnenblumen waren. Und eine Mariendistel, auch frisch gepflanzt, ist ebenfalls verschwunden. Ich kenne sie, diese raffinierten Diebe. Sie kommen in der Nacht, keiner sieht sie, keiner hört sie, und am nächsten Tag sind die schönsten Pflanzen verschwunden, oder sie haben nur die Wurzeln mitgenommen. An ihren unterirdischen Gängen erkennt man sie -  die Wühlmäuse! 

Die Freuden und die Leiden der Gärtner haben sich auch bei uns im Garten eingestellt. 

Die eigentliche Herausforderung, die sich uns stellt, ist jedoch der Boden. Die positive Seite an dem Lehmboden ist, dass wir unseren Teich ohne Folie bauen können, der Lehm in Verbindung mit Kalk wird eine wasserdichte Schicht bilden, so dass kein Kunststoff nötig ist. Ein alter Bauer aus St. Georgen hatte uns erzählt, dass dieses Grundstück früher als Lehmgrube genutzt worden war. Kein Wunder also! Wenn in diesem Boden jedoch Blumen blühen und Heilpflanzen ihre Heilkräfte sammeln sollen, dann müssen wir uns etwas einfallen lassen. 

Gründüngung und Kompost sind die Mittel zur Bodenverbesserung im biologischen Gartenbau. Das ist keine Instant-Lösung, das braucht Zeit, die Gründüngung braucht Zeit zum Wachsen und Verwurzeln, der Kompost Zeit zum Zersetzen und Reifen. Wir müssen uns also in Geduld üben, dran bleiben und uns in die Rhythmen der Natur einschwingen. 

Doch wir wollen nicht einfach nur die Hände in den Schoß legen. Diesen Samstag bereiten wir ein weiteres Beet zum Auspflanzen vor. Sand, Split und Gesteinsmehl, Algenkalk und organischer Dünger können wir sofort einsetzen.  Denn auf meinem Balkon stehen dicht gedrängt in kleinen Multitöpfchen Färberkamille, Bilsenkraut, Fingerhut und Kapuzinerkresse. Sie wollen und müssen aus ihren engen Quartieren raus - wir wagen einen neuen Versuch! Vielleicht sollten wir noch Demeter zu Hilfe rufen - sie ist doch die Göttin, die für die Erde und die Fruchtbarkeit sorgt. 

Liebe Grüße und vielleicht bis bald im Achillea - Garten! 

Marga Baldas-Posavac

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