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Es gibt Heilpflanzen, die wissen noch gar nicht, dass sie welche sind. Manche gelten sogar als "Teufelszeug" und haben es echt schwer, ein gesundes Selbstverständnis zu entwickeln. Zum Besispiel gibt es da den kleinen Neophyt (Einwanderer) mit dem unschuldigen Namen Beifuß-Ambrosie, "Ambrosia Artemisiaefolia". Sie hatte es vor letztes Jahr fast auf die Titelseiten einiger Tageszeitungen gebracht, dort wo sonst nur hohe Politiker und Katastrophen Erwähnung finden. Es wurde dabei bundesweit und unisono dringend dazu aufgefordert, sie gänzlich mit Stumpf und Stiel auszurotten. Das arme kleine Ding: Jetzt lebt sie schon seit 100 Jahren hier in Europa mitten unter uns und wird jetzt zum Teufelszeug erklärt.
Wie z. B. die Kapuzienerkresse, die Kartoffel, der Mais, die Goldrute und unzählige andere Einwanderer kam sie einst aus Amerika. Klar, dass wir bei den Einwanderern ganz gern unterscheiden möchten, wer ins Ländle rein darf und wer besser draußen bleiben soll. Verständlich, dass wir nur hier haben wollen, wer uns schmeckt und wer uns nicht gleich den Appetit verdirbt oder vielleicht gar nießen lässt.
Nun kann die Beifuß-Ambrosie bei manchen Menschen tatsächlich starke Allergien auslösen, durch die Pollen, aber auch bei direkter Berührung mit der Haut, genauso wie übrigens unsere große heimische Heilpflanze, der gemeine Beifuß "Artemisia vulgaris". Das macht uns diese Ambrosie, die übrigens gar nicht mit dem Beifuß verwandt ist, natürlich erstmal unsymphatisch. Aber bevor wir mal wieder reflexartig einen neuen Mitbewohner an den Pranger stellen, den man unbedingt ausreißen und verbrennen muss, sollten wir uns vielleicht erstmal schlau machen, wer dieser neue, alte Einwanderer ist und was für Gastgeschenke er eventuell mitgebracht hat.
Folgende Eigenschaften und Wirkungen werden der Beifuß-Ambrosie nämlich zugeschrieben: leicht stimulierend, adstringierend, blutstillend, antibakteriell, fiebersenkend und antiseptisch. In der Naturmedizin der amerikanischen Ureinwohner fand diese Heilpflanze Verwendung bei der Wundbehandlung, gegen Pilzerkrankungen, gegen Durchfall, bei Fieber und als Hilfe bei bakteriellen Erkrankungen. Seltsamerweise gilt sie dort auch als wirksames Mittel gegen Allergien, wie z. B. Heuschnupfen.
Kann das noch Zufall sein? Oder hat uns tatsächlich doch der Himmel diese Pflanze geschickt, um uns bei den Volkskrankheiten Allergie und Verpilzung zu helfen? Vielleicht werden wir das ja nie herausfinden, weil wir wie so oft auch dieses Geschenk gar nicht erst anschauen, sondern gleich verbrennen.
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