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Geschichte
Ursprünglich kommt der Knoblauch aus den Steppen Innerasiens, über Vorderasien und Ägypten nach Europa. Schon in diesen Zeiten diente er als Gewürz als auch als Nahrungsmittel. Man fand ein Knoblauchrezept auf einer Keilschrift aus dem 3. Jahrtausend vor Christus. Bei den Sumerern (2600 – 2100 v. Ch.) wurde der Knoblauch bereits als Heilmittel benutzt. In Ägypten war Knoblauch hoch angesehen. Beim Bau der Pyramiden (Dauer: 20 Jahre) wurden die Bauarbeiter mit Knoblauch, Zwiebeln und Rettich versorgt im Wert von 8,5 Millionen Euro. Als der Knoblauch mal ausblieb, traten die Arbeiter in Streik, der wohl erst dokumentierte Streik in der Geschichte. In der Cheops-Pyramide wurde Reste von Knoblauch gefunden, er war den Toten als Grabbeigabe zum Schutz für eine gute Reise in die andere Welt mitgegeben worden. Knoblauch wurde auch bei der Mumifizierung verwendet. Aber auch heute noch ist der Knoblauch in Ägypten sehr beliebt.
Auch in der Bibel wird der Knoblauch erwähnt. Die Juden waren große Knoblauchfreunde und die Römer nannten sie deswegen „die Stinkenden“. Von den Römern brachten die Knolle nach Europa und gaben ihr den Namen „stinkende Rose“.
Schutzmagie mit Knoblauch: bei vielen Völkern hat der Knoblauch Macht über das Böse. Wegen seinem unerträglichen Geruch vertreibt er böse Geister, böse Menschen, Teufel und Vampire. Dazu reicht es, Knoblauchzehen über die Haustüre zu hängen.
Im 19. Jd., mit dem Aufkommen der neuen Medizin, verlor der Knoblauch in der besseren Gesellschaft an Ansehen. Sein Geruch war nicht standesgemäß. Nur auf dem Lande wurde er nach wie vor für bei vielerlei Krankheiten benutzt. Erst in der Mitte des 20. Jh. erwachte wieder das Interesse. In der Folge wurden die medizinischen Eigenschaften des Knoblauch gründlich erforscht.
Knoblauchgeruch
Knoblauch stinkt. Sobald eine Zehe angebrochen wird, reagiert sie auf diesen feindlichen Angriff mit der Bildung eines bestimmten Geruchs, dem typischen Knoblauchgeruch. Dies dient eigentlich zur Abwehr von Fressfeinden. Der Wirkstoff Alliin wird dabei in Allicin umgewandelt. Die gesundheitliche Wirkung ist jedoch dem Allicin zuzuschreiben, d. h., das, was riecht, ist auch der Teil, der heilt. Es gibt mittlerweile Präparate, die geruchsfrei sind. Jedoch sinkt damit auch die medizinische Wirksamkeit. (1)
Inhaltsstoffe und Heilwirkung
Hauptwirkstoff ist das Allicin. Bei Gärungsprozessen im Darm kann das Allicin seine antibiotischen Eigenschaften entwickeln. Es blockiert eindringende Bakterien, Pilze und Viren. Es wirkt gleichzeitig karminativ und Galle treibend.
Allicin ist ein Antioxidant, fängt die freien Radikale ab und verhindert die schädliche Umbildung des Cholesterins. Es reguliert somit den Cholesterinspiegel und wirkt gegen Arteriosklerose. Gleichzeitig wirkt es auch vorbeugend gegen bestimmte Krebsarten, die durch freie Radikale begünstigt werden.
Knoblauch hemmt die Blutgerinnung (Thrombozytenaggregation) und fördert die Fähigkeit des Körpers, Blutgerinnsel aufzulösen (Fibrinolyseaktivität). Daraus ergibt sich seine Bedeutung bei der Vorbeugung gegen Herzinfarkt. Er wirkt gefäßerweiternd, blutdrucksenkend und entspannend. Die Gefäße der Beine, des Augenhintergrunds und des Gehirns werden erweitert, dadurch besser durchblutet und somit daran gehindert, schneller zu altern. Er hilft bei Schlafstörungen, allgemeiner Schwäche und bei Leistungsminderung. Kurz, er ist ein universelles Heilmittel, das vor allem bei Altersbeschwerden eingesetzt werden kann.
Der große Vorteil: Mikroorganismen können gegen Knoblauch kaum Resistenzen entwickeln wie bei den synthetischen Antibiotika, ohne für sie lebensnotwendige Enzyme zu schädigen.
Gegenanzeige
Nicht bei stillenden Müttern; nicht bei Menschen mit Magen- und Darmreizungen Anwendung: Präparate – frische Zehen
Allicin verliert seine Wirksamkeit innerhalb weniger Stunden. Deshalb Knoblauch wenn einmal gehackt, sofort verwenden. Zu therapeutischen Zwecken 2 – 3 Zehen täglich (ca. 3 g). Pahlow empfiehlt 5 – 10 Zehen.
Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Knoblauch. Manche riechen nach seinem Genuss sehr stark, manche kaum. Durch Experimentieren lässt sich herausfinden, zu welchem Typ man gehört. So kann man die eigene „Geruchsgrenze“ feststellen und dementsprechend mehr oder weniger Knoblauch verwenden.
Präparate haben den Vorteil, dass sie auf einen bestimmten Inhaltstoff standardisiert sind z. B. Alliin. Bei frischem Knoblauch weiß man nicht, wie hoch der Gehalt an Inhaltsstoffen tatsächlich ist. Denn je nach Anbaugebiet schwanken die Inhaltstoffe beträchtlich. Der Bulgarische mit violettem Hals soll der beste sein.
Knoblauchpräparate gibt es als Ölauszug, als Knoblauchsaft oder als Trockenpulverextrakt. Sie unterscheiden sich erheblich in Bezug auf ihre Inhaltsstoffe. Im Trockenpulverextrakt wird das Alliin oder das Allicin zur Standardisierung herangezogen. Im Ölauszug ist kein Allicin mehr vorhanden sondern bereits in Ajoene und andere Stoffe umgewandelt.
Kneipp Knoblauch-Pflanzensaft
Kneipp Knoblauch Dragees (Trockenpulverextrakt)
Sapec Dragees (Trockenpulverextrakt)
Vitagutt Knoblauch 300 (Knoblauchöl)
Praxis: Herstellen einer Tinktur
50 g Knoblauchzehen, 250 ml Alkohol 60 %. Zehen schälen und klein hacken, 2 Wochen in Alkohol liegen lassen, tägl. schütteln. Möglichst warm stellen (ca. 30 °C). Abseihen. 3- mal tägl. 20 Tropfen.
Volksheilkunde
Husten: Knoblauch fein schneiden, mit Honig vermischen, ziehen lassen. Die Flüssigkeit teelöffelweise einnehmen.
Insektenstiche, Hunde- oder Schlangenbiss: als erste Hilfe Wunde mit Knoblauchsaft beträufeln und Tinktur einnehmen.
Schlecht heilende Wunden: wiederholte Auflagen mit reinem Knoblauchsaft oder mit Knoblauchtinktur oder einem Gemisch von Honig und Knoblauchsaft.
Rauhe Stimme: warmer Knoblauchbrühe Honig zugeben, schluckweise trinken.
Ohrenweh durch Kälte: Knoblauchsaft mit erwärmtem Olivenöl vermischen, einige Tropfen in das Ohr träufeln.
Schlaflosigkeit: abends 1 Glas lauwarmes Wasser mit 15 – 20 Tropfen Knoblauchtinktur und 1 – 2 TL Honig trinken.
Kulinarisches
Knoblauchmayonaise „Aioli“: 3 g Knoblauchzehen, 1 Prise Salz und Pfeffer, 2 Eigelb, 1/8 l Olivenöl. Zubereitung: Knoblauch schälen, durch die Presse drücken, Salz und Pfeffer zugeben. Die Eigelbe nach und nach gut unterrühren, die Hälfte des Öls tropfenweise einrühren. Sobald die Masse anfängt, cremig zu werden, das restliche Öl teelöffelweise dazurühren. Passt gut zu Brot, Fisch, Fleisch, Meeresfrüchten, Artischocken und gekochten Eiern.
Quellen: Das große Buch der Heilpflanzen, Apotheker Pahlow, Weltbildverlag Augsburg 2004
Pfefferland, Hg: Beck u. a., Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2002
Rationale Phytotherapie, Schulz, Hänsel, Springer Verlag, Berlin 1996 (1)
Lehrbuch der Phytotherapie, Fintelmann, Weiss, Hippokrates Verlag, Stuttgart 2002
Gesundheit durch Heilkräuter, Willfort, Rudolf Trauner Verlag, Linz 1986
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