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Geschichtliches und Mythologie
Der Holunder gilt in der Antike bereits als geschützte Heilpflanze. Schon
durch das berühren hoffte man Krankheiten abzustreifen zu können. Im
germanischen Raum war der Holunder der Holla oder Freya, der
kinderspendenden Göttin, heilig. Er ist deshalb in Dänemark als Geburtsbaum
bekannt, den schwangere Frauen umfassen. In der Volkserotik dient der
Holunder als Fruchtbarkeitssymbol. An Fenster oder Tür gesteckte Zweige
deuten auf Mädchen von zweifelhaftem Ruf hin (Thüringen, Nordfrankreich).
Bei den Friesen wurden Tote unter einem Holunderstrauch beigesetzt.
Verbreitet war auch der Volksglaube, dass ein am Hause verdorrender
Holunderstrauch ein Vorzeichen für den bevorstehenden Tod eines
Hausbewohners sei.
Holle, ursprünglich (wie die Brecht) Führerin einer mehr oder weniger
dämonischen Schar von Geistern (Hollen oder Hulden genannt), sind im
Volksglauben bald freundliche, bald strafende Jenseitswesen. Sie entlässt
die Neugeborenen aus ihrem unterirdischen Reich, in dem sie auch die Seelen
der Verstorbenen empfängt. Wenn Sie die Kissen schütteln, schneit es.
Im Märchen "Frau Holle" ist das Belohntwerden mit Arbeit bzw. dem
Dienen verbunden.
Der "Hollerbusch", nach der holden Germanengöttin benannt, durfte an keinem Gehöft, Scheune oder Haus fehlen. Er war ein Lebens- und Sippenbaum und Sitz des guten Hausgeistes. Er bewahrte das Haus und seine Bewohner vor Unheil. In Tirol wird heute noch bei Beerdigungen ein Kreuz aus Holunderzeigen aufs Grab gesteckt. Grünt dieses wieder, so ist dem Verstorbenen ein seliges Jenseits beschieden. Und da Holunderzweige schnell Wurzel schlagen, kam wohl so mancher ganz leicht in den Himmel.
"Vor dem Holunder zieh den Hut herunter!"– In dieser Redensrat wurde die Wertschätzung vor dem Holunderstrauches zum Ausdruck gebracht.
Ernte / Sammeln
Die Blüten können von Mai – Juni vornehmlich bei trockener Witterung gesammelt werden.
Je nach Standort sind die Beeren reif zur Ernte ab August bis zum Oktober.
Verwendung
Anwendungsempfehlung laut Kommission E: Erkältungskrankheiten Innerlich: Blüten und Beerensaft als schweißtreibendes Mittel bei Erkältungskrankheiten, Beeren zur Abwehrsteigerung durch das Vitamin C. Traditionell angewendet wird der Holunderblütentee bei Rheuma, Gicht und Hauterkrankungen als harntreibendes Mittel. Den Beerensaft bei Erkältungen, als mildes Abführmittel und zur Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen (Vitamin B 2).
Sebastian Kneipp empfiehlt: "Der Wurzeltee des Holunders ist von unschätzbaren Wert für Wassersüchtige oder solche, die sich über Korpulenz zu beklagen haben."
Anwendung in der Homöopathie: D 6 – D 3, bei Schnupfen, besonders der
Säuglinge und Kleinkinder.
Hinweis
Bei unreifen, rohen oder ungenügend erhitzten Beeren kann es zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kommen (Sambunigrin baut sich bei Reife, d.h. wenn die Beeren schwarz sind und beim Kochen ab).
Rezepte
Holunderblütensirup:
Zutaten: ca. 10 Dolden Holunderblüten, 1,5 l Wasser, 1kg Zucker, 2 ungespritzte Zitronen, 20g Zitronensäure.
Zubereitung: Wasser zum Kochen bringen, Zucker einrühren, so lange köcheln lassen, bis der Zucker völlig aufgelöst ist. Abkühlen lassen und dann in die Zuckerlösung die Zitronensäure einrühren. Die nicht gewaschenen Holunderblüten in ein großes Gefäß aus Glas oder Keramik geben, die in Scheiben geschnittenen Zitronen dazugeben und mit der erkalteten Zuckerlösung übergießen. Gut zudecken und 2-3 Tage stehen lassen, das Gefäß immer wieder schütteln oder umrühren. Danach abseihen und nochmals aufkochen, ist dann länger haltbar (bis zu einem Jahr). Heiß in saubere Flaschen füllen und gut verschließen. Der Holunderblütensirup sollte kühl gelagert werden. Schmeckt sehr gut mit Wasser vermischt oder sogar mit einem Schuss in Sekt!
Holderküchle:
Zutaten: Ca. 10 Holunderdolden, 300g Mehl, 3 Eier, etwas Milch, 1 Prise Salz, evtl. 1 Prise Zimt oder 1 Schuss Bier.
Zubereitung: Das Eigelb mit dem Mehl, Milch und der Prise Salz zu einem Teig verrühren, das geschlagene Eiweiß unterheben, in heißem Fett ausbacken!
Holunderblüten-Apfelgelee:
Zubereitung: 10 Holunderblüten über Nacht in einem Liter Apfelsaft ziehen lassen,
dann abseihen und mit Gelierzucker oder einem anderen Geliermittel zu einem Gelee aufkochen und in Gläser abfüllen.
Germanenlikör:
Zubereitung: 250g abgestielte Holunderbeeren in ein Glas füllen dazu 1 Vanilleschote und 1 Zimtstange, 5 gemörserte Kardamonsamen, 1 Sternanis, 3 Gewürznelken, 150g Kandiszucker mit einem gutem Korn übergießen (ca. ¾ l), 6 Wochen auf dem Fensterbrett stehen lassen und jeden Tag schütteln, dann abseihen und einige Wochen nachreifen lassen; Es ergibt ein edles Getränk mit hohem Vitamin B–Gehalt, stärkt die Nerven und wurde von den Germanen geschätzt.
Holunderblütentee
Zubereitung: Für den Tee werden zwei Teelöffel mit Blüten mit einer Tasse kochendem Wasser überbrüht, fünf Minuten ziehen lassen, heiß trinken.
Holunderblütenwasser:
Zubereitung: Für das Holunderblütenwasser werden die von vier frischen Dolden abgezupften Blüten in ein Gefäß gegeben, ein Liter abgekochtes erkaltetes Wasser, in dem zwei Messerspitzen Weinsteinsäure aufgelöst wurden, darübergeschüttet. Abgedeckt das Ganze einen Tag ziehen lassen, mit Honig süßen.
Holundermilch:
Zutaten: Zwei frische Blütendolden, zwei Tassen Milch, je nach Geschmack eine Prise Ingwer, Safran, Zimt, Vanille.
Zubereitung: Die Dolden mit der kalten Milch zum Kochen bringen, ziehen lassen, abseien. Mit Honig süßen.
Holunderlimonade:
Zubereitung: Den Saft von 2 Zitronen mit einer halben Tasse Wasser und einem gehäuften Eßlöffel Zucker verrühren. Holunderblüten kopfüber dazugeben und über Nacht ziehen lassen. Am nächsten Tag alles durch ein Sieb gießen und mit einer Flasche Mineralwasser auffüllen.
Holunderküchle:
Zutaten: 1/2 Tasse Milch, 2 Tassen Mehl, 3 Eßlöffel Zucker oder Honig, eine Prise Safran, eine Prise Zimt, zwei Eier, ein Schuß Bier oder ein TL Weinstein pulver, Holunderblütendolden.
Zubereitung: Alle Zutaten vermischen, die Blütendolden in den Teig tauchen, in heißem Fett ausbacken. Mit Zimt bestreuen, mit Apfelmus servieren.
Holunderkuchen:
Zutaten: 5 Tassen abgezupfte Holunderbeeren, 2 Tassen gemahlene Mandeln, 3 gehäufte Eßlöffel Zucker, gerieben Schale einer halben unbehandelten Zitrone, Zimt, Vanille, ein Schuß Rum oder Kirschwasser, 3 Eier. Für den Boden: 220 g Mehl, 125 g Butter, 1 Eßlöffel saurer Rahm, 1 Prise Salz.
Zubereitung: Mehl, Salz und kalte Butter zu einem Hackteig verarbeiten, den Rahm dazugeben, gut durchkneten und eine Stunde kaltstellen. Ausrollen, eine gefettete Springform auslegen. Beeren mit Zucker bestreuen, ohne Wasser einige Minuten erwärmen. Mandeln Zimt, Vanille, Zitronenschale, Rum zugeben. Den steif geschlagenen Eischnee unterheben, in die Springform fallen. Bei mittlerer Hitze etwa 40 Minuten backen.
Holundermarmelade:
Zubereitung: Drei Kilo abgezupfte Beeren mit etwas Wasser weichkochen, durch ein Sieb pressen, je nach Geschmack mit Vanille, Zimt, Gewürznelken oder Rum würzen, erhitzen, mit Zucker mischen. Heiß in Gläser füllen. Wenn man eine festere Marmelade möchte, empfiehlt es sich, geriebenen Apfel unter die Holundermarmelade zu mischen.
Holunderlikör:
Zutaten: 1/4 Liter gekochter Holunderbeersaft, 1 Tasse frische Beeren, 2 Eßlöffel Zucker, 1 Liter Zwetschgenwasser.
Zubereitung: Saft mit Zucker und Gewürzen verrühren, mit den Beeren in eine weithalsige Flasche fallen, mit dem Zwetschgenwasser übergießen. Verschlossen an einem warmen Ort 6 Wochen ziehen lassen. Abseihen, in Flaschen füllen.
Holunderglühwein:
Zutaten: 1 Liter Holundersaft, 1 Liter Rotwein, 3 EL Zucker, 4 Nelken, 7 Zimtstange, 7 TL geriebene Zitronenschale.
Zubereitung: Den Saft mit Gewürzen aufkochen, abseihen, erneut mit dem Wein kurz erhitzen und heiß servieren.
Holundersekt:
Zutaten: 10 Dolden Holunderblüten, 3 Naturzitronen in Scheiben, ½ Kilo Zucker, ca. 5 Liter Wasser.
Zubereitung: Alle Zutaten werden in ein großes Gefäß, einen Steintopf oder ähnliches gegeben, zugedeckt und 48 Stunden stehen gelassen. Wenn es leicht schäumt, wird abgeseiht und der Sekt in Flaschen gefüllt, am besten mit Bügelverschluß. Nach ca. 10 Tagen Reifungszeit dürfte der Sekt fertig sein.
Literatur
Heide Hasskerl: Holunder, Dost und Gänseblümchen, pala, 2000;
Annegret Sonn und Ursel Bühring: Heilpflanzen in der Pflege, Huber, 2001;
Ursel Bühring: Hagendorn und Hopfenkranz, Edition Achillea, Freiburg 1993;
Susanne Fischer-Rizzi: Blätter von Bäumen, Irisiana, 1998;
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