| Im winterlichen Garten ist die Christrose mit ihren
großen, weißen oder rötlichen Blüten eine auffallende
Erscheinung. Minusgrade können ihren festen, ledrigen Blättern
nichts anhaben; und eingebettet im Schnee halten die Blüten unverdrossen
jedem noch so kalten Wetter stand. In Deutschland finden wir sie wild
nur noch in den Berchtesgadener Alpen.
Der botanische Name „Helleborus“ kommt aus dem Griechischen
und bedeutet „ Speise, die den Tod bringt“. Der deutsche
Name „Nieswurz“ weist darauf hin, dass die Pflanze lange
Zeit Bestandteil von Schnupftabak war und als Niespulver verwendet
wurde.
Bereits in der Antike war die Pflanze als Heilmittel bekannt: Hippokrates
setzte sie als abführendes und harntreibendes Mittel und bei
Geisteskrankheiten ein. Dioscurides empfahl es bei Frauenkrankheiten,
Schwerhörigkeit und Hautkrankheiten.
Einzigartig dürfte jedoch ihre Verwendung als „Kampfstoff“
gewesen sein: Im Jahre 600 v. Christus wurde die Stadt Kirrha von
Solon belagert. Da es ihm auf normalem Wege nicht gelang, die Stadt
einzunehmen, zog er die Christrose zu Hilfe. Er ließ die Wurzeln
in den Fluss werfen, der die Belagerten mit Trinkwasser versorgte.
Die Menschen tranken das vergiftete Wasser. Daraufhin wurden die
Bevölkerung von Durchfall geplagt, so dass es ihm ein Leichtes
war, die Stadt zu erorbern.
Im Mittelalter versprach man sich ewige Jugend von ihr; außerdem
sollte sie einem helfen, unsichtbar zu werden. Sie galt als Wunderdroge,
mit der man böse Geister und Krankheiten austreiben konnte.
Sie war Bestandteil der Hexensalben und sollte zu Astralreisen verhelfen.
Man verräucherte die Wurzel und konnte damit bösen Zauber
wieder aufheben.
Die Droge wirkt auf die Schleimhäute und das zentrale Nervensystem
und führt zu Durchfall und Übelkeit sowie Herzrhytmusstörungen,
Atemlähmung und geistige Verwirrtheit.
Heute wird die Christrose auf Grund ihrer Giftigkeit nur noch in
der Homöopathie verwendet: bei Herzinsuffiziens mit Ödemen,
bei Nierenentzündung, Harnvergiftung und Wassersucht, bei Gemütsleiden
und bei akutem Durchfall. Hahnemann behandelte Thypuspatienten mit
ihr.
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