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Brennessel

Brennnessel
  (Großbild)

 

 

Volksnamen

Große Brennnessel, Nettel, Donnernessel, Hanfnessel, Saunessel

Botanischer Name Urtica dioica
Namensherkunft Urtica = die Brennende
Familie Brennnesselgewächse
Pflanzentyp

Staude, zweihäusig

Höhe ca. 30 – 150 cm
Blütezeit Juli bis Oktober
Standort Gemäßigte Breiten der nördlichen Hemisphäre, oft in der Nähe von Wohnungen und Stallungen, meist auf überdüngtem Boden
Droge Brennnesselblätter, Brennnesselkraut, Brennnesselwurzel, Samen
Wirkstoffe

Blätter und Kraut:

 

Mythologie

Bei den alten Germanen war die Brennnessel die Pflanze von Donar, dem Hammergott, der Herr des Blitzes und des Donners, der den Fruchtbarkeit bringenden Regen brachte und die Äcker von allem Unheil bewahrte. So wird die Nessel heute immer noch Donnernessel genannt. Die Menschen glaubten auch, dass die Brennnessel vor Blitz schützen konnte. Deshalb hängten sie Brennnesselsträußchen unters Dach. Donar war auch ein mächtiger Zecher und trank Unmengen an Bier. Folglich musste er auch große Mengen Harn ablassen. Daraus entwickelte sich der Brauch, sich zur Sommersonnwend gegenseitig mit in Urin getauchten Brennnesselzweigen zu schlagen. Alles Übel wird somit in die Flucht geschlagen und Gesundheit und Lebensfreude sind gesichert.

Auch bei den Tibetern spielt die Brennnessel noch heute eine große Rolle. Aus den Samen wird ein Speiseöl gewonnen. An den Hängen des Mt. Kailash, des heiligen Berges der Tibeter, wachsen dichte Brennnesselwälder. Auch heute noch ziehen die Pilger in Scharen um den heiligen Berg, um Erleuchtung zu erlangen. In diesen Höhen, auf dem Dach der Welt, gibt der Boden kaum Nahrungsmittel für die zahlreichen Menschen. So ernähren sich die Pilger also auf ihrem Weg zur Erleuchtung zu einem guten Teil von der Brennnessel. Milarepa, ein große Dichter und Mystiker der Tibeter, lebte als Einsiedler am Fuße des Kailash. Er ernährte sich ausschließlich von Brennnesseln, so dass seine Haut im Laufe der Jahre ganz grün wurde. Auf den Thankas wird er heute grün dargestellt. Durch seine Brennnesseldiät erlangte er eine solche Leichtigkeit, so dass er wie eine Wolke vom Berg herabschweben konnte.

Botanik

Die Brennnessel ist eine zweihäusige Pflanze mit einem ausdauernden Wurzelstock. Der Stängel wird bis zu 150 cm hoch und ist vierkantig. Sowohl Stängel als auch Blätter sind mit Brennhaaren besetzt, die mit einem Wirkstoff (Histamin ähnliche Stoffe u. a.) gefüllt sind. Die männlichen bzw. weiblichen Blütenstände sind unscheinbar grün. Die Frucht ist ein kleines, einsamiges Nüsschen.

Neben der großen Brennnessel gibt es auch noch die kleine Brennnessel (Urtica urens). Sie wird maximal 50 cm hoch und ist einhäusig. Sie hat die gleichen Heilwirkungen.

Ernte / Sammeln

Das Kraut oder auch nur die Blätter werden von Mai bis September gesammelt, die Samen der weiblichen Blüten ab August, die Wurzeln von September bis November. Alle Pflanzenteile werden im Schatten getrocknet und erst danach klein geschnitten (Das Brennen tritt dann nicht mehr auf).

Wirkstoffe, Wirkungsweise und Anwendung:

Das Kraut

Wirkstoffe:
Reichlich Spurenelemente wie Eisen, Magnesium, Natrium, Kalium, Kieselsäure, Calcium, Phosphor; ungesättigte Fettsäuren, Vitamin A, Flavonoide, Chlorophyll, Pflanzenhormone u. a.. In den Brennhaaren Histamin, Acetycholin, Seretonin u. a.

Wirkungsweise:
- harntreibend (durch den hohen Kaliumgehalt), entzündungshemmend, antiarthrotisch, schmerzlindernd.
- hemmt die Produktion der für die Entzündung verantwortlichen Zytokine (bei Arthrose).
- Blut bildend.

Anwendung:
- als Durchspültherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege; vorbeugend bei Nierengrieß (Blutreinigungsmittel).
- zur unterstützenden Behandlung bei rheumatischen Beschwerden.
- Anregung des Stoffwechsels, Entgiftung .
- als Frühjahrskur (frischer Presssaft).
- bei Ermüdungs- und Erschöpfungszuständen, die auf Eisenmangel zurückzuführen sind.
- bei Arthrose: Urtikation: mit Brennnesselruten die betroffenen Stellen an 2 – 3 aufeinander folgenden Tagen schlagen, kein Wasser in dieser Zeit auf die Stelle bringen.

Achtung: nicht bei Stauungen und Wasseransammlungen infolge von eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit!

Die Samen

Wirkstoffe:
Schleim, fettes Öl mit hohem Gehalt an Linolsäure, Proteinen und Vitaminen.

Wirkungsweise:
Anregung des Stoffwechsels.

Anwendung:
als Aphrodisiakum, Tonikum bei körperlichen und geistigen Schwächezuständen (europäischer Ginseng!), in den Wechseljahren.

Die Wurzeln

Wirkstoffe:
Sterole, Phenole, Phytosterine und Gerbstoffe.

Wirkungsweise:
krampflösend, entzündungshemmend, immunstärkend. Der Harnfluss und das Harnvolumen werden erhöht, die Restharnmenge verringert.

Anwendung:
bei Miktionsbeschwerden im Frühstadium der gutartigen Prostatahyperplasie (Vergrößerung der Prostata).

Nebenwirkungen:

Bei Berührung der Stängel und Blätter ergießt sich der Inhalt der hohlen Haare auf die Haut und verursacht ein Brennen.

Tierheilkunde

- Brennnesseltee bei Koliken der Haustiere.
- Brennnesseln mit Heu vermengt, regt bei Kühen die Milchsekretion an.
- Brennnesselsamen gibt Pferden ein glänzendes Fell und macht sie feurig.

Im Garten

Brennnesseljauche macht die Pflanzen widerstandsfähiger gegen Schädlings- und Pilzbefall und gibt gleichzeitig einen guten Dünger ab. Brennnesseltee wirkt bei Mehltau und Pilzbefall. Als Nachbarschaftspflanze erhöht die Brennnessel den Gehalt an ätherischen Ölen in Heilpflanzen. Lagergemüse hält sich besser, wenn man es auf Brennnesseln legt oder mit Brennnesseln abdeckt, ebenso grüne Tomaten. In der Biodynamischen Landwirtschaft (Demeter – Steiner) wird der Kompost mit einem Brennnesselpräparat geimpft.

Textilgewebe aus Brennnesseln

Bereits die Indianer Nordamerikas fertigten aus den Stängeln der Brennnessel Seile, Stricke und Fischernetze. Auch in unseren Breiten wurden früher Gewebe aus Brennnesseln hergestellt, sowohl sehr feine Gewebe wie Musselin als auch Stoffe für Segel und Sacktuch. Noch im Jahr 1916 wurden in Deutschland 2,7 Millionen kg Nesselstoffe produziert. Die Firma Stoffkontor Kranz AG (www.stoffkontorkranz-ag.de) hat seit einigen Jahren die Produktion von Nesselstoffen erfolgreich aufgenommen. Heute fertigen sie edle Blusen, Hemden und Bettwäsche aus der Brennnessel.

Anwendungen: Zubereitung / Dosierung

Kräutertee:
1 TL getrocknetes Kraut mit heißem Wasser aufgießen; 5 – 10 Minuten ziehen lassen, abseihen, 3 – 4 Tassen pro Tag.

Wurzeltee:
1 TL fein zerkleinerte Wurzel mit kaltem Wasser ansetzen, zum Kochen bringen, 10 Minuten ziehen lassen. 3 – 5 Tassen pro Tag.

Essenz:
In ein weithalsiges, gut verschließbares Glas 50 g zerkleinerte Frischpflanzen (Kraut, Wurzeln, Samen) mit etwa 500 ml 45 %igem Alkohol übergießen; täglich gut schütteln, ca. 3 Wochen an einem warmen Platz stehen lassen (nicht in der prallen Sonne); Danach abfiltern, Reste nicht auspressen, in lichtgeschützte Flaschen umfüllen. 3 mal 20 Tropfen täglich.

Eisentonikum, ein vorzügliches Stärkungsmittel für Frauen
- 2 handvoll getrocknete Brennnesselblätter
- 1 handvoll getrocknete Aprikosen (ungeschwefelt)
- 8 Mandelkerne (nach Wunsch)
- Schale einer großen Bitterorange (nicht gespritzt)
- 1 L Rotwein (biologisch)
Die trockenen Zutaten in ein Gefäß (Glas) geben und mit Wein begießen. 2 Wochen ziehen lassen. Von Zeit zu Zeit schütteln. In dunkle Flaschen füllen und kühl aufbewahren.
Dosierung: 2 TL 2 x täglich.

Gedächtnisöl nach Hildegard von Bingen:
Brennnesseln (mit oder ohne Samen) zu Brei pürieren und mit Olivenöl vermischen. Das ganze in einem gut verschließbaren Glas 1 Woche an einen sonnigen Platz stellen und durchziehen lassen. Täglich 1 x durchschütteln. Anwendung: Vor dem Schlafengehen das Brustbein mit 5 Tropfen, die Schläfen mit je 2 – 3 Tropfen des Öls einreiben. Über einen längeren Zeitraum kontinuierlich anwenden.

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