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Geschichtliches
"Sonne von Süden fiel auf den Felsen, und dem Grund entsprang
der grüne Lauch", so heißt es in der Edda, der germanischen
Volksmythologiesammlung über den Ursprung des Bärlauchs.
Er galt als eine der ersten Pflanzen seit der Welterschaffung und
als eine der heilkräftigsten.
Der Bärlauch ist ein Liliengewächs. In feuchtschattigen
Laubwäldern, wenn der Boden noch durch altes Vorjahreslaub
bedeckt ist erobern sich im Frühling länglichspitze, glattglänzende
Blätter ihr Revier. Einen Monat später verzaubern weiße
Sternenblüten als Teppich den Wald. Bald darauf zieht sich
die Pflanze zurück, hält Winterschlaf, um im zeitigen
Frühjahr des nächsten Jahres wieder bereit sein zu können.
Achtung: Bärlauchblätter sind den tödlich giftigen
Blättern des Maiglöckchens und der Herbstzeitlose zum
Verwechseln ähnlich. Der starke Geruch nach Knoblauch beim
Zerreiben der Blätter kann eine brauchbare Unterscheidungshilfe
sein.
Früher stärkten sich die Bären, aus dem Winterschlaf
erwacht, als erstes mit diesem frischen gesunden Grün, um dann
"bärenstark" ihres Weges zu gehen. In der Hoffnung,
ebensolche Bärenkräfte zu erlangen, aßen die Menschen
früher den Bärlauch als Kultpflanze zu Frühlingsbeginn
oder am "Grünen Donnerstag". Um heute "bärenstark"
zu werden, sollten auch wir ihn in unsere Frühjahrskur miteinbeziehen.
Mit seinen schwefelhaltigen ätherischen Ölen und reich
an Vitamin C und Mineralien ist er zur Heilpflanze des Jahres 1992
gewählt worden.
Heilwirkung und Anwendung
Die Wirkung des Bärlauchs kann mit der des Knoblauchs verglichen
werden. Er wirkt gegen Bakterien, Viren und Pilze, senkt die Cholesterinwerte,
fördert die Durchblutung, wirkt krampflösend und entzündungswidrig
und regt die Verdauung, den Gallenfluss und den Stoffwechsel an.
Bewährt hat sich Bärlauch auch zur unterstützenden
Behandlung bei chronischen, stoffwechselbedingten Hauterkrankungen.
Dafür wird er vor allem als entgiftende Frühjahrskur eingesetzt.
Auch zur Darmsanierung wird Bärlauch empfohlen. Sein Inhaltsstoff
Allicin wirkt stark antibakteriell auf krankmachende Keime und unterdrückt
zugleich die Fäulnis und Gärung verursachenden Bakterien.
Bärlauch ist daher nach einer Antibiotikabehandlung sehr zu
empfehlen.
Die positive Wirkung des Bärlauchs auf die Blutgefäße
kommt der des Knoblauchs gleich. Bärlauch wird zur Vorbeugung
und Therapie bei altersbedingten Gefäßerkrankungen eingesetzt,
bei Bluthochdruck und Arteriosklerose mit all ihren Folgeerscheinungen.
Die Blutgefäße werden erweitert und entkrampft, der Blutdruck
gesenkt, allerdings erst nach längerer Anwendung. Bärlauch
verhindert auch, dass sich Cholesterin in den Gefäßen
ablagern kann. Bei Bronchialerkrankungen hat Bärlauch eine
bronchienentspannende und keimhemmende Wirkung, denn das ätherische
Öl wird zu 10 % über die Lunge ausgeschieden. Bärlauch
ist heilsame Medizin und zugleich köstlich nach Knoblauch duftende
Wildgemüsespeise.
Inhaltsstoffe:
Ätherische Öle, die aus Schwefelverbindungen bestehen,
Flavonoide, Biokatalysatoren, Fructosane, viele Mineralstoffe und
Spurenelemente wie Eisen, Kalium, Calcium, Schwefel, Magnesium,
Mangan, Selen und Phosphor und reichlich Vitamin C (Ascorbinsäure),
Vitamin B1 und B2.
Wirkungen:
Antibakteriell, antimykotisch, lipidsenkend, Hemmung der Thrombozytenaggregation,
Verlängerung der Blutungs- und Gerinnungszeit, Steigerung der
fibrinolytischen Aktivität, mild antihypertensiv. Außerdem
wurmtreibend, blähungswidrig und stoffwechselanregend, cholesterin-
und blutdrucksenkend, entspannend, schlaffördernd und hautstoffwechselunterstützend.
Indikationen:
Zur Vorbeugung altersbedingter Gefäßveränderungen,
zur Begleittherapie bei erhöhten Blutfettwerten und Hypertonie,
Appetitlosigkeit, Anregung der Funktion im Gastrointestinaltrakt,
Hautkrankheiten und bei Dysbiose. Zur Frühjahrskur und bei
Madenwürmern.
Darreichungsformen:
Fertigpräparate, Frischpflanzenpresssaft und als Wildgemüse
in der Küche.
Tagesdosis: ca. 15 Blätter.
Nebenwirkungen:
Selten Magen-Darm-Beschwerden, allergische Reaktionen, Hypotonie.
Gegenanzeigen: Nicht bekannt.
Rezepte
Bis auf die harten Samen können alle Pflanzenteile des Bärlauchs
verwendet werden: zwischen März und Juni werden junge Blätter
mit Stängeln geerntet, später die Blütenknospen,
Blüten und junge grüne weiche Früchte. Die Zwiebeln
sammelt man am besten am Ende der Vegetationsperiode, wenn die Blätter
zu vergilben beginnen, oder im Oktober. Bärlauch schmeckt am
besten frisch; eingefroren oder getrocknet verliert er viel von
seinem köstlichen Geschmack und auch von seiner Heilkraft.
Bärlauchtinktur:
Frische Blätter säubern, klein schneiden, in ein helles
Schraubglas locker bis zum oberen Rand füllen und mit 45 %igem
Weingeist auffüllen. Drei Wochen lang stehen lassen, gelegentlich
schütteln und danach abgießen. In dunkle Tropffläschchen
abgefüllt ist die Tinktur zur Anwendung jederzeit bereit. 3-mal
täglich 20 Tropfen einnehmen.
Bärlauchöl:
In bestes kaltgepresstes Olivenöl werden frische junge Blätter,
oder im Herbst ausgegrabene Bärlauchzwiebeln gegeben, pro Liter
ca. 15-25 Blätter oder 5-10 Zwiebeln. Bald entfaltet sich der
Knoblauchduft. Blätter oder Zwiebeln können 3 Wochen später
entfernt und natürlich gegessen werden! In einer dekorativen
Glasflasche kann Bärlauchöl Medizin und knoblauchduftendes
Küchenöl gleichermaßen sein. Das Bärlauchöl
kann zum morgendlichen “Ölschlürfen” verwendet
werden, oder man gibt täglich 1 EL über die Speisen und
kommt somit auf angenehmste Weise in den Genuss aller Wirkungen
der Pflanze. Kühl und dunkel aufbewahrt, ist dieses Öl
ein Jahr lang haltbar. Vorraussetzung ist, dass die Pflanzenteile
immer vollständig mit Öl bedeckt sind.
Bärlauchessig innerlich und äußerlich:
1 Hand voll kleingeschnittene Bärlauchblätter oder Zwiebeln
in 1 l guten Bio-Apfelessig geben und mindestens 3 Wochen ziehen
lassen. Der Bärlauch kann auch bei Gebrauch in der Flasche
verbleiben, so lange keine Pflanzenteile aus der Flüssigkeit
herausragen. Für eine Blutreinigungskur 6 Wochen lang morgens
nüchtern 1 EL Bärlauchessig mit ½ Tasse war-mem
Wasser vermengt schluckweise trinken. Bei juckenden, nässenden
Hauterkrankungen kann der Essig auch verdünnt (1 EL auf 250
ml Wasser) zu Umschlägen eingesetzt werden.
Bärlauchpesto:
Pesto, die kalte Soße aus Ligurien, wird im Original aus frischem
Basilikum hergestellt. Doch diese Abwandlung wird begeistern: 100
g frische Bärlauchblätter waschen und trocken tupfen.
Mit 5 grob geschnittenen Bärlauchzwiebeln, 20 g Sonnenblumenkernen,
150 ml kaltgepresstem Olivenöl und etwas geriebenem Parmesankäse
im Mixer zerkleinern und mit Salz und Zitronen abschmecken. Mit
einer Schicht Olivenöl bedeckt bleibt es im Kühlschrank
1 Jahr haltbar und kommt zur Wirkung als "Gesundheit, die schmeckt".
Vollkornspaghetti und einen Wildkräutersalat dazu reichen und
der Genuss ist perfekt.
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