Pflanzenporträt:
Schafgarbe 'Achillea millefolium'

Schafgarbe
  (Großbild)

Volksnamen Soldatenkraut, Heil-aller-Welt, Blutstillkraut, Frauendank, Gotteshand, Tausendblatt
Botanischer Name Achillea millefolium
Namensherkunft garbe = althochdeutsch „garwe“ = Gesundmacher, Kraut, das die Schafe gesund macht
Familie Korbblütler
Pflanzentyp Staude

Höhe ca. 30 – 120 cm
Blütezeit Juni bis Oktober
Droge blühendes Kraut ohne Wurzel
Wirkstoffe Bitterstoffe, ätherische Öle (Cham-Azulen), Gerbstoffe, Chlorophyll, Kalium, Phytosterine u. mehr

Namensherkunft und Geschichte

In den Sagen des griechischen Altertums wird berichtet, dass Achilles, der ein Schüler des bekannten Heilers Chiron war, König Telephos mit einer Schafgarbe behandelt und geheilt hatte. Er hatte sich im Kampf eine stark eiternde Wunde zugezogen, die mit keinem der gängigen Mittel zu heilen war. Deshalb wurde die Pflanze „Achilleios“ genannt. Eine weitere Sage handelt davon dass Achilles beim Kampf um Troja mit einem Pfeil an der Ferse verwundet wurde, genau an der Stelle die heute noch als Achillessehne bezeichnet wird. Die Göttin Aphrodite riet ihm, seine Verletzung mit der Schafgarbe zu heilen.

Der Name „Soldatenkraut“ verweist darauf, dass das Kraut vor allem auf den Schlachtfeldern seine heilende Wirkung beweisen durfte. Der französische Name „herbe de Saint Josef“ = Kraut des heiligen Josef, führt auf eine nette Geschichte zurück: Der heilige Josef, ein Zimmermann, hatte sich eine stark blutende Wunde beim Arbeiten zugezogen. Da kam das Jesuskind und brachte die Blutung mit einer Schafgarbe zum Stillstand.

Im 6.Jahrhundert wurde die Schafgrabe „supercilium veneris“ genannt, Augenbrauen der Venus, und war sowohl bei den Germanen als auch bei den Slawen als Zauber – und Heilpflanze hoch angesehen. Sie gab Schutz gegen alle krankmachenden Einflüsse. Im Mittelalter wurde sie statt Hopfen zum Bierbrauen verwendet und war ein wichtiges Heilmittel gegen Pest und Viehseuchen. Hildegard von Bingen empfahl die Schafgarbe zur Wundheilung und bei inneren Verletzungen. Bis in die jüngere Vergangenheit zu Hufeland, Hahnemann und Pfarrer Kneipp gilt die Schafgarbe als wichtige und vielfältige Heilpflanze.

Im alten China wurden Schafgarbenstängel benutzt, um I-Ging-Orakel zu werfen. Die Pflanze wird in der chinesischen Medizin zur Moxibustion bei Gicht und Rheuma verwendet.

Botanik

Die Schafgarbe wächst überall: auf Wiesen und Weiden, an Wegrändern, sie fürchtet nicht die Trockenheit, nicht die Kälte oder extreme Höhen. Sie ist in ganz Europa und Asien zu finden. Einzig sehr feuchte Standorte meidet sie. Aus einem kriechenden, ausdauernden Wurzelstock sprießen im Frühjahr krause Wurzelblätter hervor, danach der Stängel mit einem reichblühenden, traubendoldigen Blütenstand. Der Stängel ist sehr zäh und kerzengerade.

Ernte / Sammeln

Das blühende Kraut wird ab Ende Juni bis Ende August gesammelt. Beste Sammelzeit: bei trockenem Wetter, nach 2 – 3 sonnigen Tagen, bei starker Sonneneinstrahlung am Vormittag zwischen 10.00 und 12.00 Uhr, bei bedecktem Himmel zwischen 12.00 und 14.00 Uhr. Der Gehalt an ätherischen Ölen ist zur Mittagszeit am höchsten, dann gibt es jedoch auch die höchsten Verdunstungsverluste.

Wirkstoffe

Bitterstoffe – regen die Produktion von Verdauungssäften an; ätherische Öle – sind entzündungshemmend, krampflösend, entblähend; Gerbstoffe – sind blutstillend.

Heilwirkung

Die 5 Heilwirkungen aus dem Märchen:
Wundheilung – Auflage mit Tee / Tinktur auf die Wunde, wirkt keimhemmend und entzündungshemmend.
Husten – Tee zum Trinken, wirkt auswurffördernd, entkrampfend.
Müdigkeit –Schafgarbensaft frisch getrunken, wirkt sich durch den hohen Chlorophyllgehalt günstig auf die Blutbildung aus; Gut als Frühjahrskur auch in Verbindung mit anderen blutreinigenden Pflanzen.
Bauchweh und Blähungen – Tee zum Trinken, wirkt krampflösend bei Magen-, Darm- und Galle- und Leberbeschwerden, appetitanregend, gallenflussfördernd.
Gesicht – bei fetter und unreiner Haut als Gesichtsdampfbad.

Weitere Heilwirkungen:
Blasen- und Nierenbeschwerden – die hohe Kaliumgehalt regt die Nierentätigkeit an und führt völlig reizlos zu einer verstärkten Harnausscheidung.
Menstruationsbeschwerden – wirkt regulierend bei zu starker oder auch zu schwacher Periode; krampflösend.
Krampfadern und Hämorrhoiden – verbessert den venösen Blutkreislauf, so dass das Blut schneller zum Herzen zurückfließen kann.
Innere Blutungen – blutstillend bei Bluthusten, Mastdarmblutungen, Gebärmutterblutungen, Nierenblutungen.
Rheumatische Beschwerden – stoffwechselanregend, blutreinigend.
Nervöse Herzbeschwerden – stärkt das nervöse Herz und beruhigt die Nerven.

Anwendung, Zubereitung und Dosierung

Tee: 1 TL getrocknetes Kraut mit heißem Wasser aufgießen; 7 Minuten abgedeckt ziehen lassen, abseihen, schluckweise zwischen den Mahlzeiten trinken (2 – 3 Tassen pro Tag);

Bewährte Rezeptur: Bei Menstruationsbeschwerden (Tee): Schafgarbe, Gänsefingerkraut, Frauenmantel, Melisse zu gleichen Teilen mischen.

Essenz: in ein weithalsiges, gut verschließbares Glas 50 g zerkleinerte Frischpflanzen mit etwa 500 ml 40 – 45 %igem Alkohol übergießen; täglich gut schütteln, ca. 3 Wochen an einem warmen Platz stehen lassen (nicht in der prallen Sonne); Danach abfiltern, Reste nicht auspressen, in lichtgeschützte Flaschen umfüllen.

Herzwein:
2 Handvoll frische feingehackte Schafgarbe, 2 Handvoll frische feingehackte Melisse, 2 Esslöffel feingehackte Baldrianwurzel, 1 zerbröselte Zimtstange, 1 Liter guten Rotwein.
Die Zutaten mit dem Wein ansetzen, 3 Wochen ziehen lassen, abseihen und in eine dunkle Flasche fühlen. 2 Likörgläschen täglich. (Rezept aus „ Medizin der Erde“ von Susanne Fischer-Rizzi)

Likör nach Pfarrer Künzle: Man füllt ein Einmachglas mit Schafgarbenblüten, übergießt die Kräuter bis oben mit 1/3 Branntwein und 2/3 Wasser und stellt das ganze geschlossen acht Tage an die Sonne. Hernach filtert man die Flüssigkeit ab und süßt sie mit genügend Zucker. Von diesem Likör nimmt man morgens nüchtern und abends je einen Esslöffel voll, verdünnt mit 3 Esslöffeln Wasser. Anzuwenden bei Erkältungen und allerhand Magenzuständen. (Rezept aus „Kräutersegen auf allen Wegen“ von Bruno Vonarburg)

Kräutersuppe: Schafgarbe, Gundermann, Pimpinelle, Brunnenkresse, Gänseblümchen, Sauerampfer, Kerbel und Bärlauch oder andere Wildkräuter werden im April oder mai frisch gesammelt. Diese werden danach sorglich gereinigt, zu gleichen Teilen in Wasser zerkocht, dann durch ein Sieb gestrichen. Die Suppe mit Mehl und Butter einbrennen, mit Eigelb abziehen und mit einem ganzen eingeschlagenen Ei und buttergerösteten Brotschnitten aufgetragen. (Rezept aus Feld- Wald-und Wiesen-Kochbuch von Eva Marie Hem)

Bockschwänzli nach Ursel Bühring: 15 Schafgarbentriebe waschen und trocken tupfen. Aus 4 Esslöffeln Mehl, 3 Eiern, einer Tasse Milch und etwas Salz einen glatten Teig bereiten. Die Triebe einzeln in den Teig tauchen und in heißem Fett ausbacken. Mit großem Salz und Kümmel überstreuen. Passt gut zu dunklem Bier. (Rezept aus Freyas Zaubergarten von Ursel Bühring)

Frühlings-Punsch:
1 Handvoll Schafgarbenblüten, 1 l guten Rotwein, 1 Nelke, 1 Lorbeerblatt, ½ Zimtstange, Saft von 2 Orangen.
Das Ganze aufkochen, 10 min ziehen lassen, dann durch ein Sieb geben und heiß servieren. Dieser wohlschmeckende Punsch galt in früheren Jahrhunderten als Gesundmacher und Stärkungstrunk und schmeckt wunderbar an kalten Frühlingsabenden. (Rezept nach einem Postkartenrezept von Ursel Bühring)

Feuchtheißer Wickel mit Schafgarbe:

Anwendung bei:

•  Bauchschmerzen durch Blähungen und Verkrampfung

•  Menstruationsbeschwerden (Krämpfe)

•  zur Unterstützung der Leberfunktion (nach Hepatitis u. Heilfasten)

•  Blasenentzündung

•  Verstopfung

•  Nervosität, Unruhe, Schlafstörungen

Nicht anwenden bei:

•  Fieber

•  Durchfall, entzündliche Magen- oder Darmerkrankungen

•  Blinddarmentzündung o. Reizung,

•  Vorsicht bei Säuglingen Kleinkinder und alte Menschen

Material:

•  Schüssel, kochendes Wasser

•  1 - 2 Geschirrtücher, Stoffwindeln oder für kleine Kinder Waschlappen

•  1 Außentuch (z.B. Woll-, Molton-, oder Frottierhandtuch)

•  evtl. Wärmeflaschen

•  Auswringtuch

•  Haushaltshandschuhe

Durchführung:

Ein kleines Kännchen Schafgarbentee frisch zubereiten, ca. 10 Minuten ziehen lassen. Das Innentuch auf die benötigte Größe zusammenfalten, einrollen und auf das Auswringtuch legen und in diesem zu einer Rolle einwickeln. Nun die Rolle in einer flachen Schüssel mit heißem Wasser und dem Schafgarbentee übergießen. Die Tücher werden hierbei gut getränkt und voll gesaugt, die Enden des Auswringtuches, sollen hierbei trocken bleiben. Dann die Rolle sehr kräftig auswringen, hierbei ist es ratsam Haushalthandschuhe zu verwenden. Je weniger nass das Innentuch ist, desto besser wird es auf der Haut vertragen. Danach vorsichtig, das Innentuch auspacken und nach einer Temperaturprüfung, möglichst warm auf die vorgesehene Stelle legen. Das Außentuch wird rasch und recht dicht darüber gewickelt, hierbei nochmals vergewissern, ob die Temperatur gut verträglich ist. Der Wickel kann so lange dran bleiben, wie er als angenehm empfunden wird. Richtlinie ist ca. 5-15 Minuten. Das Außentuch bleibt zum nachwärmen länger an der Stelle umwickelt. Wichtig ist hierbei, eine Nachruhezeit von mindestens 15 Minuten einzuhalten, hierbei kann sich die Wirkung vom Wickel erst richtig entfalten.

Nebenwirkungen

Bei empfindlichen Menschen kann eine Wiesendermatitis ausgelöst werden. Allergie gegen Korbblütler.

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